Im Atelier 1995

ARTIKEL

 

Kunstmaler Gottlieb Bregenzer

Atelier-Besuch von Ernst Elmiger

An einem windigen, nassen und kalten Nachmittag im April - der Winter hatte sich mit grosser Hartnäckigkeit zurückgemeldet - stehe ich vor dem schmucken Einfamilienhaus an der Schulhausstrasse 15 des bekannten Seetaler Malers Gottlieb Bregenzer in Ermensee. Froh darüber, von ihm in das schützende Innere des Eigenheimes geführt zu werden, stehe ich im Gang vor einer Vielfalt von Gemälden, die mir einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens des Malers zeigt. Nachdem wir über das eine oder andere Motiv seiner Bilder gesprochen haben werde ich in ein kleines Zimmer geführt. "Das war mein erstes Atelier", erzählt mir der Künstler. Doch der Raum wurde für ihn zu eng, zu wenig Licht strömt durch die nach Norden gerichtete Fensterfront ins Innere, ein Raum, der kaum geeignet war, das kreative Schaffen zu fördern. Darum entschloss sich Gottlieb Bregenzer bald, sein Heim durch einen grosszügigen, freundlichen und lichtdurchfluteten Anbau zu erweitern.

Wie ich nun dieses Malatelier betrete, ist meine Überraschung gross: Keine mit Farben verschmierte Staffelei, kein Durcheinander von Farben, Pinseln und weiteren Malutensilien, keine kreuz und quer stehenden Leinwände, Zeichnungen und Bilder, schon gar nicht ein mit viel Farbe verspritzter Boden! Ganz im Gegenteil: Ein sehr freundlicher, heller Raum mit vielen Fenstern, einem schmucken Cheminée, das in der Übergangszeit als Heizung gebraucht wird, viele fein säuberlich geordnete Bilder stehen auf einem hellen Spannteppich-Boden. Auf dem Arbeitstisch, entlang der nach Süden gerichteten Fensterfront, liegen nur vereinzelt Blätter, Skizzen und Stifte. Die hellen Wände zieren Bilder verschiedenster Richtungen. Mir scheint, dass diese Exaktheit und ausgeprägte Ordnung im Atelier Ausdruck des hier herrschenden Künstlers ist. Genau so exakt und naturalistisch oder geometrisch streng zeigen sich die meisten seiner zahlreichen Werke. 

Doch wer ist eigentlich dieser weit über das Seetal hinaus bekannte Kunstmaler? Gottlieb Bregenzer entstammt einer alteingesessenen Ermenseer Familie. Der 1942 am Ufer des Aabachs geborene Künstler erlernte den Beruf eines technischen Zeichners, und nach seiner Weiterbildung erfolgte der Diplomabschluss an der Zentralschweizerischen Betriebstechnikerschule in Luzern.  Doch sein Drang nach künstlerischem Schaffen machte sich immer stärker bemerkbar.

"Ich kaufte mir mit der ersten Gratifikation von dreissig Franken Ölfarben und begann so mit etwa 17 Jahren meine ersten Versuche auf der Leinwand", erzählt Gottlieb Bregenzer. Bald folgten verschiedene Ausbildungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst sowie der Diplomabschluss an der Kunstakademie in Paris. Verschiedene Studienreisen, vor allem nach Holland, Frankreich und Italien brachten ihm die Werke der alten Meister näher und führten zu diversen Kontakten mit noch lebenden Künstlern. Der Besuch von Museen und unzähligen Kunstausstellungen sowie ständige Weiterbildung durch Literatur sind fester Bestandteil seiner Tätigkeit. 

Gottlieb Bregenzer ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern, Carmen und Monika. Seine Frau Lisbeth besorgt praktisch alle anfallenden Arbeiten im Haus, Garten und Umgebung, damit er sich zu Hause voll dem kreativen Schaffen widmen kann. Heute, nach über dreissigjähriger Arbeit mit Pinsel und Farben, ist seine Tätigkeit im gelernten Beruf und als freischaffender Künstler zeitlich halbiert.  An drei Arbeitstagen sichert er sich als technischer Angestellter ein festes Einkommen. Die restlichen drei Tage sind dem Zeichnen und Malen gewidmet.

Seit 1970 zeigt der Künstler seine Bilder regelmässig an Einzel- und Gruppenausstellungen, so in Beromünster, Hitzkirch, Hochdorf, Rothenburg, Willisau, Luzern, Nottwil, Schloss Heidegg, Zug, Basel und bereits einige Male im Zivilschutzzentrum Richensee. Viele seiner Werke sind mit Öl auf Leinwand gemalt. Hier bietet sich dem Kunstmaler Gelegenheit, mit wenig Farben viele Nuancen herauszuheben. Am liebsten malt Gottlieb Bregenzer Landschaften in verschiedenen Jahreszeiten mit unzähligen Farbabstufungen, die je nach Lichteinfall kraftvoll oder zurückhaltend, dann wider durchsichtig und zart sein können. 

Doch lassen wir Gottlieb Bregenzer selber berichten: " Die Landschaften sind für mich eines der reizvollsten Themen die sich dem Pinsel eines Künstlers bieten. Ihr Anblick ist unendlich mannigfaltig, je nach Gegend, Jahreszeit oder Stunde, und dasselbe Motiv kann unter dem wechselvollen Spiel des Lichtes, ein ganz verschiedenes Aussehen annehmen. " Neben Landschaftsbildern malt er aber auch Blumen, Stillleben oder Objekte, bei denen der Beobachter feststellen kann, dass alle Details der Perspektive beherrscht werden. Besonders bei den Blumenbildern zeigt sich die Liebe zur Natur sowie eine gute Beobachtungsgabe, was den Bildern eine erstaunliche Lebendigkeit verleiht. 

Gottlieb Bregenzer pflegt seit Jahren auch die abstrakte und konstruktive Malerei. Dabei werden Ereignisse und daraus resultierende Stimmungen in intensiven, ja sogar aggressiven Farben auf die Leinwand gebracht. Diese abstrakten, meist in streng geometrischen Formen gehaltenen Bilder gelangen eher selten an die Öffentlichkeit, doch sind sie ein fester Bestandteil der künstlerischen Tätigkeit. "Ich male, was mich beschäftigt, dabei kann ich vieles loswerden, nachher ist es mir wieder wohl." meint der Künstler.

Dass er heute anerkannt ist, zeigt die Tatsache, dass seine Bilder nicht nur ihn zahlreichen Stuben des Seetals hängen, sondern auch in einem weiteren Umkreis, sogar grenzüberschreitend, grosse Beachtung finden. 

Text und Foto von Ernst Elmiger

publiziert in der Seetaler Brattig 1995